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22.07.2026

AVEM Test: Das validierte Verfahren zur Standortbestimmung im Berufsleben

Wer im Unternehmen präventiv arbeiten will, braucht mehr als Bauchgefühl. Er braucht belastbare Daten. Der AVEM Test ist eines der wenigen wissenschaftlich fundierten Verfahren, das genau das liefert. Er macht sichtbar, wie Menschen ihre Arbeit erleben, wie sie mit Belastungen umgehen und welches Risiko sie tragen, in Erschöpfung oder Burnout zu geraten. Für Coaches, Personalverantwortliche und Führungskräfte ist der AVEM Test damit ein wertvolles Instrument der Frühdiagnostik. In diesem Beitrag klären wir, was der AVEM Test ist, wie er entwickelt wurde, was er misst und welche vier Muster er unterscheidet. Wir schauen uns an, wie er im Unternehmenskontext sinnvoll eingesetzt wird und welche Grenzen das Verfahren hat. Am Ende erfahren Sie, wie Sie den AVEM Test für sich selbst oder in Ihrem Unternehmen nutzen können.
Von: Björn Johannmeier
Ein Bleistift liegt auf einem Multiple-Choice-Antwortbogen für Prüfungen wie SAT oder GRE neben Notizzetteln.

Was der AVEM Test misst und woher er kommt

AVEM steht für Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster. Das Verfahren wurde von Uwe Schaarschmidt und Andreas Fischer an der Universität Potsdam entwickelt und erschien Ende der neunziger Jahre erstmals in seiner heute gängigen Form. Der AVEM Test misst nicht Persönlichkeitsmerkmale im klassischen Sinn, sondern das arbeitsbezogene Verhalten und Erleben einer Person. Er beantwortet die Frage: Wie geht dieser Mensch mit seiner Arbeit um und was macht diese Arbeit mit ihm? Der AVEM Test umfasst elf Dimensionen, die drei übergeordneten Bereichen zugeordnet sind. Der erste Bereich betrifft das arbeitsbezogene Engagement und umfasst Dimensionen wie subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit, beruflichen Ehrgeiz, Verausgabungsbereitschaft, Perfektionsstreben und die Fähigkeit zur Distanzierung. Der zweite Bereich betrifft die Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und umfasst Resignationstendenz, offensive Problembewältigung und innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Der dritte Bereich betrifft das berufliche Erfolgserleben und die dabei erlebten Emotionen: Erfolgserleben im Beruf, Lebenszufriedenheit und das Erleben sozialer Unterstützung. Die Antworten der Testperson auf die Fragen des AVEM-Bogens werden statistisch ausgewertet und zu einem individuellen Profil zusammengeführt. Dieses Profil wird anschließend mit den Referenzdaten aus großen Normierungsstichproben verglichen. Das Ergebnis: Die Person lässt sich einem von vier arbeitsbezogenen Mustern zuordnen. Genau diese Musterzuordnung macht den AVEM Test so wirkungsvoll. Sie übersetzt komplexe psychometrische Daten in ein Bild, mit dem sowohl die Testperson als auch der begleitende Coach oder die Führungskraft praktisch arbeiten können.

Die vier Muster des AVEM Tests im Detail

Der AVEM Test unterscheidet vier arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster. Jedes Muster beschreibt einen spezifischen Umgang mit Arbeit und den damit verbundenen Anforderungen. Die Muster sind keine Persönlichkeitstypen im Sinne von unveränderlichen Kategorien, sondern Zustände, die sich im Laufe des Berufslebens verändern können und sollen. Das erste Muster ist das Muster G, das gesundheitsförderliche Muster. Menschen mit diesem Muster zeigen ein hohes, aber nicht überzogenes Engagement in der Arbeit, verfügen über gute Bewältigungsstrategien für Belastungen und erleben ihre Arbeit als sinnvoll und befriedigend. Sie können sich abgrenzen, ohne den Bezug zur Aufgabe zu verlieren. Sie sind leistungsstark, aber nicht selbstgefährdend. Das Muster G ist der Zielzustand, den viele präventive Programme anstreben. Das zweite Muster ist das Muster S, das Schonungsmuster. Personen mit diesem Muster zeigen eine geringe Verausgabungsbereitschaft und wenig emotionale Investition in die Arbeit. Sie schützen sich effektiv vor Überlastung, aber häufig auf Kosten des beruflichen Engagements. Das Muster S wird oft missverstanden als problematisch, ist aber nicht per se ungesund. In bestimmten Lebensphasen oder in belastenden Arbeitskontexten kann es sogar eine sinnvolle Anpassungsreaktion sein. Für Führungspositionen und leistungsintensive Rollen ist es allerdings selten funktional. Das dritte Muster ist das Risikomuster A. Menschen mit diesem Muster zeigen ein sehr hohes berufliches Engagement, hohen Ehrgeiz, ausgeprägten Perfektionismus und eine geringe Fähigkeit zur Distanzierung. Sie arbeiten unermüdlich, oft über die eigenen Grenzen hinaus, und verausgaben sich systematisch. Ihr Erleben ist geprägt von hohen Ansprüchen an sich selbst, oft verbunden mit dem Gefühl, nie genug zu leisten. Das Muster A gilt als klassisches Muster für den späteren Burnout. Es ist gerade in Führungspositionen, im Vertrieb, in unternehmerischen Rollen und bei Selbständigen häufig zu finden. Das Tragische am Muster A: Die Betroffenen sind oft die Leistungsträger, auf die eine Organisation angewiesen ist. Genau sie fallen aus, wenn nicht früh gegengesteuert wird. Das vierte Muster ist das Risikomuster B, das Burnout-Muster im engeren Sinn. Personen mit diesem Muster zeigen bereits deutliche Anzeichen der Erschöpfung: hohe Resignationstendenz, reduzierte Widerstandsfähigkeit, wenig erlebte soziale Unterstützung, geringe Lebenszufriedenheit. Das Muster B ist häufig der Endpunkt einer Entwicklung, die im Muster A begonnen hat. Wer im Muster B ist, braucht in der Regel medizinische und psychotherapeutische Unterstützung. Coaching allein reicht in diesem Zustand nicht mehr aus.

Wie der AVEM Test in Unternehmen sinnvoll eingesetzt wird

Der AVEM Test entfaltet seine volle Wirkung, wenn er in einen strukturierten Prozess eingebettet ist. Der isolierte Test ohne fachliche Begleitung ist wenig sinnvoll und kann sogar Schaden anrichten. Ein reines Ergebnisblatt zeigt Muster auf, ordnet sie aber nicht in die individuelle Lebenssituation ein. Der eigentliche Wert entsteht im Auswertungsgespräch mit einer qualifizierten Fachperson. Im Unternehmenskontext gibt es mehrere sinnvolle Einsatzszenarien. Erstens im Rahmen von Präventionsseminaren. Wenn Führungskräfte oder Leistungsträger an einem Stressmanagement- oder Resilienz-Seminar teilnehmen, liefert der AVEM Test die individuelle Standortbestimmung, ohne die solche Seminare oft an der Oberfläche bleiben. Die Teilnehmenden erfahren nicht nur allgemein, wie man mit Belastung umgeht, sondern konkret, wo sie selbst stehen und welche Muster für sie gefährlich werden können. Zweitens im Rahmen individueller Coaching-Prozesse. Ein Executive Coach nutzt den AVEM Test häufig zu Beginn einer Zusammenarbeit, um mit dem Klienten oder der Klientin ein fundiertes Bild der aktuellen Belastungslage zu erarbeiten. Auf dieser Basis lässt sich gezielt an den kritischen Dimensionen arbeiten, statt an Symptomen entlang zu coachen. Der AVEM Test kann nach sechs oder zwölf Monaten wiederholt werden, um Veränderungen sichtbar zu machen. Drittens als Element von Gesundheitsmanagement und Gefährdungsbeurteilung. Der AVEM Test kann in aggregierter, anonymisierter Form Aufschluss darüber geben, welche Musterverteilung in einer Abteilung oder in einer Führungsebene vorliegt. Zeigt sich beispielsweise eine hohe Konzentration von Muster A in der zweiten Führungsebene, hat das Unternehmen ein strukturelles Risiko und sollte gezielt investieren. Die Ergebnisse müssen dabei streng vertraulich behandelt und dürfen niemals auf einzelne Personen zurückgeführt werden. Datenschutz und arbeitsrechtliche Vorgaben sind zwingend einzuhalten.

Was der AVEM Test kann und was er nicht kann

Der AVEM Test hat große Stärken. Er ist wissenschaftlich validiert, in vielen Studien überprüft und liefert ein präzises Bild der arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmuster. Er ist relativ ökonomisch in der Durchführung. Er ist gut kommunizierbar, weil die vier Muster anschaulich sind. Und er hat prognostischen Wert: Menschen im Muster A haben empirisch nachweisbar ein deutlich erhöhtes Risiko, innerhalb von ein bis drei Jahren in ernsthafte Belastungssymptome oder Burnout zu geraten. Gleichzeitig hat der AVEM Test Grenzen, die man kennen muss. Er ist ein Selbstbeurteilungsinstrument. Das bedeutet, dass die Ergebnisse davon abhängen, wie ehrlich und differenziert die Testperson auf die Fragen antwortet. Wer sich sozial erwünscht darstellt oder die eigene Belastung unterschätzt, erhält ein verzerrtes Bild. Der AVEM Test ist außerdem eine Momentaufnahme. Er beschreibt den Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Kontext. Wechselt die Person in eine andere Rolle oder verändern sich die Arbeitsbedingungen, kann sich das Muster ändern. Wichtig ist auch: Der AVEM Test ist kein Instrument zur Personalauswahl und darf niemals so eingesetzt werden. Er misst keine Persönlichkeitsmerkmale, sondern arbeitsbezogene Zustandsmuster. Wer ihn als Selektionsinstrument bei Einstellungen oder Beförderungen missbraucht, verkennt seine Konstruktion und schafft rechtliche Risiken. Der AVEM Test gehört in den Kontext von Prävention, Coaching und individueller Entwicklung, nicht in den Kontext von Auswahl oder Bewertung.

Meine Arbeit mit dem AVEM Test in Unternehmen

Ich setze den AVEM Test seit vielen Jahren im Rahmen meiner Arbeit als Executive Coach und Berater für Burnout-Prävention ein. Als AVEM-zertifizierter Anwender kombiniere ich das Verfahren mit strukturierten Auswertungsgesprächen, individuellen Coaching-Prozessen und maßgeschneiderten Seminarformaten. In meinen Formaten Sicher im Stress und Gesund Führen ist der AVEM Test ein zentrales Element. Er sorgt dafür, dass die Teilnehmenden nicht nur allgemein informiert werden, sondern konkret erfahren, wo sie selbst stehen. Ganz konkret arbeite ich mit einer Garantie, die für Unternehmen kalkulierbar ist. Wenn mehr als 80 Prozent der Seminarteilnehmenden mit AVEM-Diagnostik innerhalb von zwölf Monaten nach der Maßnahme nicht wegen einer psychischen Erkrankung ausfallen, gilt das Ziel als erreicht. Sollte diese Quote nicht erreicht werden, gibt es eine Rückerstattung nach vertraglich vereinbarten Regeln. Diese Garantie ist möglich, weil der AVEM Test die frühzeitige Identifikation gefährdeter Personen erlaubt, sodass gezielt gegengesteuert werden kann.

Nächster Schritt: AVEM Test für sich oder Ihr Unternehmen

Wenn Sie den AVEM Test für sich selbst nutzen möchten, um Ihre eigene Standortbestimmung zu machen, oder wenn Sie überlegen, ihn in Ihrem Unternehmen im Rahmen eines Präventionsprogramms einzusetzen, lade ich Sie zu einem persönlichen Erstgespräch ein. In etwa fünfundvierzig Minuten klären wir Ihre Situation, ordnen sinnvolle Einsatzmöglichkeiten ein und legen bei Bedarf gemeinsam die nächsten Schritte fest. Das Gespräch ist unverbindlich, vertraulich und für Sie kostenfrei.

Über den Autor:

Björn Johannmeier
Über 30 Jahre Führungserfahrung, internationale Konzernkarriere, eigene P&L-Verantwortung und die Begleitung von mehr als 60 Unternehmen und 70 Geschäftsführern und etlichen Führungskräften prägen meinen Blick auf Gesundheit.

Fragen und Antworten:

Wie lange dauert ein AVEM Test?
Die reine Bearbeitungszeit des Fragebogens liegt bei etwa fünfundzwanzig bis vierzig Minuten. Hinzu kommt das Auswertungsgespräch, das je nach Tiefe zwischen sechzig und neunzig Minuten dauert. Für eine sinnvolle Nutzung sollten Sie also insgesamt zwei bis drei Stunden einplanen. Ohne das Auswertungsgespräch ist der Test wenig aussagekräftig.
Kann ich einen AVEM Test online machen?
Ja, der AVEM Test ist als Onlinetest verfügbar. Die technische Durchführung ist einfach und kann von zu Hause aus erfolgen. Das Auswertungsgespräch findet anschließend meist per Video oder in Präsenz statt. Wichtig ist, dass die Auswertung durch eine qualifizierte Fachperson erfolgt, nicht durch ein automatisiertes Report-Tool ohne begleitendes Gespräch.
Was kostet ein AVEM Test?
Die Preise für einen AVEM Test inklusive individueller Auswertung bewegen sich üblicherweise zwischen 250 und 500 Euro pro Person, je nach Umfang der Auswertung und Erfahrung des Anwenders. Im Rahmen von Unternehmensformaten oder Coaching-Programmen ist der Test häufig im Gesamtpaket enthalten und wird nicht separat abgerechnet.
Wer darf einen AVEM Test durchführen und auswerten?
Der AVEM Test ist ein psychometrisches Verfahren und sollte von Personen durchgeführt und ausgewertet werden, die eine entsprechende Zertifizierung oder eine fundierte psychologische Ausbildung besitzen. In der Praxis nutzen viele Coaches, Trainerinnen und Berater das Verfahren nach entsprechender Schulung durch den Verlag. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass Ihr Ansprechpartner nachweislich qualifiziert ist.
Ist der AVEM Test dasselbe wie ein Burnout-Test?
Nein. Der AVEM Test misst Verhaltens- und Erlebensmuster im Umgang mit Arbeit und identifiziert damit unter anderem Risikomuster für Burnout. Er ist aber kein diagnostisches Verfahren zur Feststellung eines Burnouts im medizinischen Sinn. Für die Diagnose einer psychischen Erkrankung sind Ärzte und Psychotherapeuten zuständig. Der AVEM Test ist ein präventives Instrument, das Risiken sichtbar macht, bevor daraus Erkrankungen werden.
Kann ich meine Ergebnisse aus dem AVEM Test verändern?
Ja. Die vier Muster des AVEM Tests beschreiben keine unveränderlichen Persönlichkeitseigenschaften, sondern arbeitsbezogene Zustandsmuster. Sie können durch gezielte Arbeit an den zugrunde liegenden Dimensionen verändert werden. Menschen im Risikomuster A können durch Coaching, veränderte Rahmenbedingungen und bewusste Verhaltensarbeit in Richtung Muster G wechseln. Diese Entwicklungen sind gut dokumentiert und einer der Gründe, warum der AVEM Test in präventiven Programmen so wirksam ist.

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